»Jeder nach seiner Façon, lasst uns das Leben in unserer Stadt miteinander interessant gestalten. Dann sind wir auf dem richtigen Weg.«

Ein Interview mit Milady Charleen Bla Bla, der amtierende Selige Münchner Maikönigin, zu unserer Faschingsaktion 2015

Für unsere diesjährige Faschingsaktion hat die S’AG zusammen mit Milady Charleen Bla Bla eine Akzeptanzkampagne erarbeitet. In einem Gespräch mit uns sprichtLady Bla Bla über diese Kampagne, über unsere Stadt und wie es hier so um das gemeinsame, offene Miteinander steht.

Teil 1: Die Kampagne

S’AG: Du machst mit der S’AG gemeinsam die diesjährige Faschingsaktion mit dem Motto „Gemeinsam geht’s besser – Gemeinsam für ein München mit Herz“. Wie bist du dazu gekommen, mit der Safety-Aktionsgruppe diese Aktion auf die Beine zu stellen?

Milady Charleen Bla Bla:Von der S’AG hatte ich schon eine Menge toller Sachen gehört und habe sie auch schon oft live in Aktion erlebt. Ich muss gestehen, ich bin ein Fan ihrer Arbeit und möchte in dieser Sache langfristig und nachhaltig unterstützen. Ich kann mich mit dem, was sie machen, sehr gut identifizieren. Ich finde es ganz toll wie sie, ich nenne sie mal Kollegen, wir sind ja eine große Familie (lacht), miteinander etwas auf den Weg bringen. Man hat mich gefragt, und ich habe ja gesagt. So ist diese Aktion entstanden, „Gemeinsam für ein München mit Herz“. Wir haben das Motto mit einem Brainstorming zusammen erarbeitet und ausformuliert. Da haben wir auch gemerkt, dass wir für die gleichen Ziele einstehen.

S’AG: Welchen Verbesserungsbedarf in Bezug auf Toleranz, Akzeptanz und Gemeinsamkeit siehst bei uns in München? Was müssen wir tun? Welche Arbeit muss geleistet werden?

Milady Charleen Bla Bla: Du nennst gleich zwei wichtige Schlagworte in deiner Frage. Toleranz, finde ich persönlich, ist heute nicht mehr so zeitgemäß. Das war damals der erste Schritt in die richtige Richtung. Heute möchte ich, wie viele andere, nicht mehr nur toleriert, sondern akzeptiert werden. Es sollten Zeichen gesetzt und Aktionen gestartet werden, gemeinsam für eine gute Sache einzustehen. Die Safety-Aktionsgruppe sieht ihre Aufgabe darin, zu beraten und aufzuklären. Aber auch darin, uns alle darüber zu informieren, wie wir uns und andere schützen können, also eben auch füreinander einzustehen. Diese Arbeit möchte ich unterstützen.

»Ich mache mir viele Gedanken zu meiner Wirkung auf mein Gegenüber. So erreiche ich, glaube ich, ein sehr breites Spektrum an verschiedenen Menschen. Ich fühle mich dabei sehr wohl. Was ich damit zurück bekomme ist besonders wertvoll.«

 

S’AG: Unser Faschingsaktions-Flyer zeigt verschiedene, menschliche Charaktereigenschaften und kommuniziert, dass wir so, aber eben auch mal ganz anders sein können. Welche dieser Eigenschaften passen denn zu Milady Charleen Bla Bla?

Milady Charleen Bla Bla: Mit fällt es immer ein bisschen schwer, mich selbst zu beschreiben und zu sagen, das bin ich und das bin ich nicht. Weil so, wie die Milady sich über all die Jahre als Kunstfigur entwickelt hat, erfüllt sie viele Facetten und kann sich mit ganz unterschiedlichen Menschen identifizieren. Wichtig ist mir, dass sie sich nicht all zu ernst nimmt. Warum zwischendurch nicht auch mal ganz anders sein dürfen? Viele Menschen sind eben nicht hunderprozentig sportlich oder hunderprozentig verrückt. Man ist nicht immer hunderprozentig aufgeschlossen. Man soll sich und seine Mitmenschen in den Begriffen des Flyers wiedererkennen und sich dabei in sie hineinversetzen und sie so annehmen, wie sie sind. Sie also so akzeptieren, wie sie sind. Daher das Motto „Manchmal sind wir auch anders“ und die damit verbundene Fragestellung „Wie bist du? Wie fühlst du dich?“. Die meisten Begriffe im Flyer treffen auf die Kunstfigur Milady Charleen, also auch auf die Person, die hinter ihr steckt, zu. Und ich glaube eben auch, dass sie auf eigentlich alle anderen auch zutreffen. Mal so und mal so (schmunzelt).

S’AG: Wir sind ja viel in der Szene unterwegs, machen Verteilaktionen und führen Gespräche mit Leuten über Prävention und Safer Sex. Wie wirst du mit der S’AG zusammen diese Akzeptanzkampagne jetzt in die Community transportieren?

Milady Charleen Bla Bla: Ich werde diese Kampagne mit Leib und Seele unterstützen und mittragen. Ich werde die schönen Safety-Päckchen mit unserer Botschaft in der Faschingszeit verteilen. Aber es ist ganz klar, dass dieses Thema nicht nur an Fasching wichtig ist. Die Bedeutung unserer Botschaft geht weit über die Faschingszeit hinaus. Wir wünschen uns eine gewisse Nachhaltigkeit für unsere Botschaft. 2015 wird ein sehr interessantes Jahr werden. Diese Aktion ist ein toller Start.

S’AG: Wo wirst du konkret an Fasching unterwegs sein?

Milady Charleen Bla Bla: Wo genau ich unterwegs sein werde, möchte ich noch nicht verraten. Es soll ja auch ein bisschen eine Überraschung sein. Klar werde ich, soviel kann ich sagen, in Szenelokalen und anderen Bars auftauchen. Ich werde viel präsent sein, reden und verteilen. Ich möchte zwischen unserer Szene und der „normalen“ Welt, wie sie sich oft selbst beschreibt, hin und her wechseln, um zu verbinden und um Akzeptanz zu werben.

S’AG: Du genießt ja als Maikönigin und durch den CSD in der Münchner Szene eine gewisse Bekanntheit. Wie erlebst du persönlich diese Szene? Spürts du dort ein Miteinandergefühl?

Milady Charleen Bla Bla: Das Amt der Maikönigin habe ich sehr gerne angenommen. Es zeigt mir, dass man mir durch die Wahl Vertrauen schenkt. Als Milday Charleen habe ich ein sehr interessantes Jahr hinter mir. Ich wurde von der Community ohne Anfeindungen angenommen. Ich komme gerne ins Gespräch mit den Leuten. Ich gebe mich sehr offen. Und diese Offenheit kommt eigentlich in der Regel wieder zu mir zurück.

S’AG: Merkst du einen Unterschied im Gespräch mit verschiedenen Generationen in der Szene?

Milady Charleen Bla Bla: Es ist manchmal ganz bemerkenswert. Entweder sind es die Älteren, die mir zum Beispiel wie beim CSD sehr positiv und mit Komplimenten begegnen, oder es sind die ganz jungen Leute, die an mir schätzen, dass ich mich für Werte einsetze. Obwohl die Milady natürlich auch ihre lustigen und verrückten fünf Minuten hat, bin ich doch ein sehr besonnener Mensch. Ich mache mir viele Gedanken zu meiner Wirkung auf mein Gegenüber. So erreiche ich, glaube ich, ein sehr breites Spektrum an verschiedenen Menschen. Ich fühle mich dabei sehr wohl. Was ich damit zurück bekomme ist besonders wertvoll.

S’AG: Deine Wirkung hat natürlich auch etwas mit deinem Look zu tun. Wie entsteht das Styling der Milady Charleen Bla Bla?

Milady Charleen Bla Bla: Ich bin sehr selbstkritisch. 2015 feiere ich mein zehnjähriges Jubiläum als die Kunstfigur, die ich heute in Vollendung darstelle. Ich mache keinen Riesenhype aus meinem Look. Ich mache meine Haare und das Make-Up selbst. Wir Männer, den Begriff hier bewußt gewählt, sind oft sehr narzistisch und möchten rausgehen und strahlen. Es geht darum, wie man da draussen wahrgenommen werden will. Das gleiche gilt auch für die Frau, die Kunstfigur, in mir. Alleine schaffe ich die Darstellung aber natürlich nicht. Ich habe liebe Freunde, die mich mit dem Styling und der Garderobe beraten und unterstützen. Der Hut auf dem Kampagnenbild zum Beispiel ist meine Eigenkreation. Vielleicht ist er deshalb auch etwas schief geraten (lacht).

S’AG: Eine Lady mit Bart. Da überlegen sicher viele Leute und fühlen sich an Conchita erinnert. Wirst du oft darauf angesprochen?

Milady Charleen Bla Bla: Da muss ich schmunzeln, diese Reaktionen in Bezug auf Conchita Wurst kommen sehr oft. Ich finde es ganz toll. Denn Conchita wurde ja auch akzeptiert und angenommen. Das macht mich stolz. Ich bewundere Conchita, das möchte ich gar nicht verstecken. Großartig, dass in zwei Ländern fast parallel, ich habe in 2010 begonnen und trug damals schon den Bart, zwei solche Figuren auftauchen. Wir hatten eben beide die gleiche Idee. Das hat vielleicht auch etwas von einer Seelenverwandtschaft. Auch hier sehe ich den Aspekt der Gemeinsamkeit. Und das wünsche ich mir wiederum für die Community, etwas gemeinsam auf den Weg zu bringen. Vielleicht machen Conchita und Milady Charleen mal etwas zusammen (schmunzelt). Beim CSD in Innsbruck war ich ja schon einmal dabei und habe dort auch München vertreten.

»Jeder nach seiner Façon, lasst uns das Leben in unserer Stadt miteinander interessant gestalten. Dann sind wir auf dem richtigen Weg.«

 

S’AG: Ich möchte nochmal zu unserer Faschingsaktion zurück kommen. Was möchte Milady, ganz direkt, der Community sagen? Appelle? Message?

Milady Charleen Bla Bla: Die Community ist Teil von einem Ganzen. Wir sollten uns nicht ausschließen. Wir sollten gemeinsam mit ganz München mitgestalten. Wir, das Wort „wir“ ganz bewußt im Vordergrund, wir sollten von innen nach außen wirken. Ich lebe als Franke seit 10 Jahren in München. Es ist eine ganz tolle Stadt. Jeder nach seiner Façon, lasst uns das Leben in unserer Stadt miteinander interessant gestalten. Dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Teil 2: Milady Charleen Bla Bla

S’AG: Welche ist deine ideale Vorstellung von Glücklichsein?

MCBB: Gesundheit und Zusammensein.

S’AG: Was ist deine größte Angst?

MCBB: Ich habe oft großes Lampenfieber.

S’AG: Mit welcher historischen Figur könntest du dich am meisten identifizieren?

MCBB: Ich habe gerade keinen Spiegel dabei. (schmunzelt)

S’AG: Welche noch lebende Person bewunderst du am meisten?

MCBB: Conchita Wurst.

S’AG: Welchen Charakterzug von dir verabscheust du am meinsten?

MCBB: Meine Schwächen und meine Angst.

S’AG: Welchen Charakterzug magst du an dir am meinsten?

MCBB: Meine Zielstrebigkeit.

S’AG: Welche ist deine größte Extravaganz?

MCBB: Shopping.

S’AG: Welche war bisher deine aufregendste Reise?

MCBB: Meine Reise in die USA alsMilady Charleen Bla Bla und Münchner Maikönigin, um dort den ersten CSD in Salina, Kansas zu unterstützen.

S’AG: Bei welchen Gelegenheiten lügt du?

MCBB: Gegenfrage: Muss man immer die Wahrheit sagen?

S’AG: Welche Wörter oder Formulierungen verwendest du zu häufig?

MCBB: Ich bin Fränkin oder Franke, nimm‘ es wie du willst. Dort verwenden wir eben oft das Wort „gell“ zur Betonung unserer Gewissheit. (lacht)

S’AG: Wann und wo warst du in deinem Leben am glücklichsten?

MCBB: An meinem Geburtsort.

S’AG: Wer oder was ist die größte Liebe deines Lebens?

MCBB: Geheimnisse darf ich haben, oder? (schmunzelt)

S’AG: Wie geht es dir jetzt gerade in diesem Moment?

MCBB: Ich bin noch wahnsinnig nervös, wie vor dem Interview. Aber du bist so charmant, da stecke ich die Aufregung fast weg (lacht).

S’AG: Wenn du eine Sache an deiner Familie ändern könntest, was wäre das?

MCBB: Ich würde sie zu mir holen.

S’AG: Was ist das Wichtigste, das du in deinem Leben je erreicht hast?

MCBB: Zu wissen was es bedeutet, alles im Leben zu verlieren.

S’AG: Was ist dein wertvollster Besitz?

MCBB: Mein Glaube.

S’AG: Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

MCBB: Dekorieren.

S’AG: Was schätzt du an deinen Freunden am meinsten?

MCBB: Verbundenheit und die Nähe.

S’AG: Wer sind die Helden in deinem Leben?

MCBB: Meine Mutter.

S’AG: Was hasst du am meisten?

MCBB: Meine Unentschiedenheit in gewissen Situationen.

S’AG: Hast du ein Lebensmotto?

MCBB: Nur gemeinsam sind wir stark.

»Die Bedeutung unserer Botschaft geht weit über die Faschingszeit hinaus. Wir wünschen uns eine gewisse Nachhaltigkeit für unsere Botschaft.«

 

S’AG: Milady, lieben Dank für das Gespräch. Auf eine spaßige Faschingszeit und eine gelungene Kampagne miteinander. Bis bald.

Milady Charleen Bla Bla: Liebe S’AG, vielen Dank für die Zusammenarbeit und dir, lieber Frank, vielen vielen Dank für deine Zeit und das herzliche Interview. Busserl.

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